Es ist schon lange her, es muß wohl 99 gewesen sein, als sich Wolfgang Schüssel, Willi Molterer und Elisabeth Gehrer der Volksseele plötzlich und unerwartet sehr nahe fühlten. Und aus diesem unbekannten Gefühl heraus ward eine wunderschöne Idee geboren: die Herausgabe eines "Rot-weiß-roten Liederbuchs". Ein kleines, aber sehr feines Kompendium mit österreichischen Volksliedern: zumeist einfältige Texte und einfältige Melodien, abgedruckt in einem kleinformatigen Büchlein, was, so auch im einfältigen Vorwort erwähnt, den ständigen Transport, zum Beispiel zum Wandern, erleichtern soll.
Das rot-weiß-rote Liederbuch wurde in geradezu sozialistischer Tradition verschenkt. Allerdings: War da nicht gerade Wahlkampf? Gut, also doch ein Wahlkampfgeschenk, aber eins ganz ohne Hintergedanken!
Das erste Liederbuch war so ein Erfolg, dass 2002 ein zweites herausgegeben wurde. Ist das nicht schön?
Live wurden diese Lieder bei verschiedenen Anlässen übrigens von den Herausgebern gespielt: Willi "I-kenn-mein-Hendrix" Molterer, Gitarre, Wolfgang "Den-Boogie-bring-i-genauso-auf-da-Quetschn" Schüssel, Quetschn, und Elisabeth "Who-the-fuck-is-Dscheffrodall" Gehrer, Querflöte.
Sie sind zweifelsohne "The Best Band You Never Heard In Your Life":
Schüssel (zu Molterer): I scheiss mi an, heast wos de Liesl scho wieder fir an Lavendl zsammenspüt?
Molterer: Wer, wenn nicht sie? Mir rollts grad die Zechennägl auf. Aber immer schön gelassen weitergrinsen!
Gehrer (denkend): Warum sogt mir da Woifi dauernd, i soll mir irgendso a Insulaner-Band anhuachen? Wia hot er gsogt hassen de? Dscheffrodall, oder wos?
Warum ich diese Geschichte erzähle, obwohl sie schon so lange zurückliegt, die Liederbücher inzwischen längst vergriffen sind, Schüssel heimlich am liebsten Solo-Arrangements von Zappa-Partituren auf dem Cello spielt, Gehrer lieber strickt als flötet, weil der Woifi eh nur blöde Wuchteln schiebt, und Molterer, seit er Klubobmann ist, sicher nicht mehr den Deppn für ein paar potentielle Wähler aus der Provinz runterreisst?
Ganz einfach: Diese Geschichte ist zu schön, um nicht erzählt zu werden. Mich lässt sie seit Jahren nicht los. Und mit welchen Recht dürfte ich irgend jemandem "The Best Band You Never Heard In Your Life" vorenthalten? Täte ich es, ich müsste wirklich wieder einmal beichten gehen.
le barb - 21. Feb, 14:35